Die Bürgerinitiative RETTET
DAS KINO TRAUMSTERN LICH
versteht sich als unabhängige Bewegung, die denjenigen eine Stimme
verleihen will, die mit Entsetzen und Unverständnis zusehen müssen, wie
eine kulturelle Institution, die über Jahrzehnte die Lebensqualität
vieler Menschen in Mittelhessen geprägt hat, in Ihrer Existenz ohne
erkennbare Not gefährdet wird.
Das Kino Traumstern ist seit 1983 als Programmkino die Alternative zur
kommerziellen Kinokultur. Es zeigt nicht nur Filme, es finden
Filmvorführungen unter Beteiligung von Regisseuren (Wim Wenders, Michael
Verhoeven waren da) und Schauspielern, Konzerte aller Art, Lesungen,
Theater-, Kindertheater und Kabarettaufführungen von überregionaler
Bedeutung statt.
Die regionale Kultur, vor allem die Jugendkultur wird durch eigene
Theaterprojekte, durch das Elterntheater im Rahmen der Licher Kulturtage
für Grundschul- und Kindergartenkinder und durch das überregional tätige
Theater Traumstern gefördert. Das Kino Traumstern ist eine kulturelle
Bildungsinstitution!
Die Kulturwoche Lich ist nicht zu trennen von dem ehrenamtlichen
aufwändigen Engagement zahlloser Helfer aus Lich, die aus dem Umfeld des
Kinos Traumstern kommen und sich in der Kulturwerkstatt Lich
zusammengefunden haben.
Dass die Konzerte im Kino und in der Synagoge, die vom Verein Künstlich
e.V. organisiert werden, regelmäßig vom Hessischen Rundfunk im Rahmen
des Mittelhessischen Kultursommers gesendet werden, ist ein weiterer
Beleg für die überregionale Bedeutung des Kinos. Das zeigt sich auch
darin, dass das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst diese
Arbeit finanziell fördert.
Und es geht aus unserer Sicht als Nutzer dieses kulturellen Zentrums um
ein Politikum:
Es geht um Lebensqualität, um politischen und kulturellen Diskurs, um
Völkerverständigung und um kulturelle Bildung in unserer Region!
Durch das afrikanische Restaurant Savanne, in dem sich eine vielfältige
Klientel des Kinos und der Gaststätte treffen, ist gleichzeitig ein
internationaler Ort der Begegnung und des Austauschs geschaffen, der die
verschiedensten Bevölkerungsschichten aus Lich und der Region
zusammenführt. Als Ensemble mit der Synagoge als Veranstaltungsraum und
dem vor allem ehrenamtlich getragenen Verein Künstlich e.V. verfügt Lich
über einen kulturellen Schwerpunkt, der in Deutschland seinesgleichen
sucht.
Das Kino Traumstern ist das bundesweit am meisten und höchsten
ausgezeichnete Programmkino Deutschlands. Das Gesamtprogramm wird seit
1984 jedes Jahr, früher vom Bundesinnenministerium, jetzt durch
Kulturstaatsminister Neumann ausgezeichnet. Darin wird deutlich, dass
das Kino nicht nur regionale Bedeutung, sondern bundesweite Beachtung
und Wertschätzung von Seiten der Bundesregierung erfährt!
Die Licher Privatbrauerei hat im Jahre 1996 durch den Erwerb der
Immobilien von Kino und Gaststätte „Statt Gießen“ und die Verpachtung an
die gegenwärtigen Kinobetreiber die Fortexistenz des Kinos ermöglicht
und sich damit hohe Verdienste um die regionale Kultur erworben!
Für die Öffentlichkeit ist nicht nachvollziehbar, wieso erst ausgehend
von gültigen Mietverhältnissen zwischen Verpächter und Kinobetreibern
der Neubau des Gastronomiebereichs begonnen und dann durch Baustopp
seitens der Vermieter unterbrochen wurde!
Noch weniger verständlich ist, dass die hinter den Kulissen laufenden
Verhandlungen nicht zu einem konstruktiven Ergebnis wie 2001 geführt
wurden, als der Umbau erforderlich war, sondern in die von Verzweiflung
geprägte Aussage des Kinobetreibers Edgar Langer bei der Eröffnung der
Kulturwoche Lich mündeten: Wenn wir diesen Vertrag unterschreiben, sind
wir spätestens Weihnachten Pleite!
Weil das Kino Traumstern in seiner überregionalen Bedeutung offenbar in
seiner Existenz gefährdet ist, fordern wir das Engagement der Politik.
Es geht hier um die Existenz eines kleinen oder mittelständischen
Betriebes, an dem das Wohlergehen mehrerer Familien und etlicher
Mitarbeiter hängen.
Es geht nicht um die Privatinteressen der Kinobetreiber, es geht hier
nicht um die wirtschaftlichen Interessen eines sich als Weltkonzern
verstehenden Brauereiunternehmens, es geht um den Verlust einer
Institution, die seit Jahren die Kultur in der Stadt Lich, in der Region
Mittelhessen/Oberhessen und auch bundesweit geprägt hat.
Wir appellieren an die örtlichen Politiker, sich verstärkt und für die
Öffentlichkeit erkennbar für das Überleben des Kinos Traumstern
einzusetzen!
Deshalb bitten wir
den Bürgermeister, Herrn Bernd Klein,
den Magistrat und das Stadtparlament der Stadt Lich,
die Landrätin des Landkreises Gießen, Frau Anita Schneider,
die Hessische Landesregierung,
die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Frau Eva
Kühne-Hörmann
den Kulturstaatsminister der Bundesregierung, Herrn Bernd Neumann auf:
Nehmen Sie Ihre politischen Verantwortung wahr! Verhindern Sie, dass die
Bürger dieser Stadt, dieser Region, dieses Landes einer wichtigen und
bewährten Kulturinstitution beraubt werden! Entgegen der Tendenz in
anderen Bereichen geht es hier nicht oder nur marginal um fehlende
finanzielle Mittel der öffentlichen Hand, wenn das Kino bedroht ist!
Verhindern Sie, dass zu hohe Auflagen in den Verträgen dem Kino den
Garaus machen! Sorgen Sie für faire Vertragsbedingungen, die der
wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Kulturbetriebes, der trotz
höchster Qualität seiner inhaltlichen Arbeit immer um das Überleben
kämpfen muss, angemessen sind.
Wir bitten darum, alle Möglichkeiten in Erwägung zu ziehen: Dazu gehört
aus unserer Sicht auch, zu prüfen, die Gebäude von Kino und Gaststätte
käuflich durch die öffentliche Hand zu erwerben und an die bisherigen
Kinobetreiber zu Selbstkosten zu vermieten. Es muss sichergestellt
werden, dass das Eigentum an einer öffentlichen bedeutenden kulturellen
Institution nicht missbraucht wird, um diese – aus welchen Gründen auch
immer – in die Knie zu zwingen!
In unserer Verfassung ist noch immer gültig: Eigentum verpflichtet im
Blick auf das Gemeinwohl! Das gilt insbesondere für die Kultur!
Kontaktadresse: Frank Müller, Mengesstr. 49 35423 Lich frankmueller49@t-online.de
Unterschriftenliste
runterladen